Drei Sitzungen, ein Vortrag: Wie Thomas seine Stimme wiederfand
Ein Fallbeispiel aus dem privaten Einzelcoaching: Thomas bereitete einen Vortrag vor, bei dem ihm regelmäßig die Stimme wegbrach, und arbeitete mit uns Sitzung für Sitzung an Atem und Auftreten.
Katharina Lindemann · · 5 Min. Lesezeit
Der Anlass der ersten Anfrage
Thomas meldete sich im Frühherbst bei uns. Er leitet in einem mittelständischen Unternehmen die Entwicklungsabteilung und sollte vor mehreren hundert Zuhörern einen Vortrag zur Jahrestagung halten. Sein Anliegen war klar umrissen: Nach etwa zehn Minuten wurde seine Stimme dünn, er begann zu schnell zu sprechen und verlor den Faden.
Im ersten Gespräch ließen wir den Vortrag noch ruhen. Ich wollte zuerst hören, wie er spricht, wenn er nicht an seinen Folien hängt. Er erzählte von früheren Auftritten, von der Anspannung vor dem Betreten des Saals und von dem Gefühl, dass der Hals eng wird. Solche Beschreibungen sind für mich Hinweise auf Atem und Haltung, lange bevor es um Rhetorik geht.
Wir vereinbarten drei Sitzungen im Abstand von jeweils etwa einer Woche, damit zwischen den Terminen Zeit zum Üben blieb. Das Privatcoaching ist genau dafür gedacht: Es richtet sich nach Ihrem konkreten Vortrag und nicht nach einem festen Lehrplan.
Erste Sitzung: Atem und Stand
Wir begannen im Stehen, ohne Text. Thomas sollte nur spüren, wie sein Gewicht auf den Füßen verteilt ist und wohin der Atem wandert, wenn er ruhig ein- und ausströmt. Bei ihm zeigte sich schnell, dass er hoch in den Brustkorb atmete und dabei die Schultern leicht anhob.
Mit einfachen Übungen lenkten wir den Atem in die Flanken und den unteren Rücken. Er legte die Hände seitlich an die Rippen und beobachtete, wie sie sich weiten. Danach sprach er einen kurzen Satz aus seinem Vortrag und bemerkte selbst, dass die Stimme tiefer und ruhiger klang.
Zum Abschluss gab ich ihm eine kleine Aufgabe mit: täglich fünf Minuten bewusstes Ausatmen auf einen weichen Summton, am besten vor dem Frühstück. Mehr nicht. Eine Übung, die sich in den Alltag einfügt, wird eher wiederholt als ein ausgedehntes Programm.
- Gewicht gleichmäßig auf beide Füße verteilen
- Atem in Flanken und Rücken lenken
- Fünf Minuten Summen täglich als Hausaufgabe
Zweite Sitzung: Der Vortrag selbst
Jetzt nahmen wir den Text zur Hand. Thomas trug die Eröffnung vor, und ich hörte vor allem auf die Stellen, an denen er das Tempo anzog. Es waren fast immer die Momente, in denen er unsicher über den nächsten Gedanken war. Statt zu eilen, sollte er dort bewusst innehalten.
Wir übten Pausen als Gestaltungsmittel. Eine Pause von zwei Atemzügen wirkt auf den Sprecher lang, auf das Publikum jedoch als Zeichen von Ruhe und Autorität. Thomas tat sich anfangs schwer damit, weil Stille für ihn gleichbedeutend mit Kontrollverlust war.
Gemeinsam markierten wir im Manuskript die Stellen für Atemzüge und Blickwechsel. Er lernte, einen Gedanken zu Ende zu sprechen, den Blick zu einer Person im Raum zu führen und erst dann weiterzugehen. Am Ende der Sitzung klang der Vortrag deutlich gelassener.
Dritte Sitzung: Der Auftritt im Raum
Für die letzte Sitzung stellten wir uns den Saal vor. Thomas ging auf die Fläche, die wir als Bühne festlegten, blieb stehen, atmete und begann. Ich saß in der hintersten Reihe und gab ihm Rückmeldung zur Tragfähigkeit der Stimme, die ohne Druck bis dorthin reichte.
Wir sprachen auch über den Moment vor dem Auftritt. Statt sich im Flur noch einmal die Folien durchzugehen, empfahl ich ihm, einen Augenblick still zu stehen, die Füße zu spüren und dreimal tief in den Bauch zu atmen. Das ist keine Magie, sondern ein Ritual, das dem Körper Sicherheit gibt.
Thomas probierte mehrere Varianten des Einstiegs und entschied sich für einen ruhigen ersten Satz mit anschließender Pause. Danach fühlte er sich vorbereitet, nicht perfekt, aber verlässlich auf sich selbst. Mehr ist realistisch von drei Sitzungen nicht zu erwarten.
- Stimme in der letzten Reihe prüfen
- Kurzes Ritual vor dem Betreten des Raums
- Ruhiger Einstieg mit bewusster Pause
Was sich im Lauf der Wochen veränderte
Einige Tage nach der Tagung schrieb Thomas eine kurze Nachricht. Er berichtete, dass seine Stimme auch gegen Ende des Vortrags getragen habe und er die Pausen tatsächlich ausgehalten habe. Er sei nicht frei von Nervosität gewesen, habe aber gewusst, was er mit ihr tun kann.
Das halte ich für das realistische Ergebnis einer solchen Arbeit. Lampenfieber verschwindet selten ganz, doch es verliert seine Macht, wenn Atem und Haltung als verlässliche Anker zur Verfügung stehen. Wer das einmal erlebt hat, wendet es auch in Besprechungen und Gesprächen an.
Wir haben vereinbart, dass er sich vor dem nächsten größeren Auftritt wieder meldet, vielleicht für eine einzelne Sitzung. Auch das gehört zum Einzelcoaching: Es endet nicht abrupt, sondern lässt sich bei Bedarf in kleinen Schritten fortsetzen.
Was Sie aus diesem Fall mitnehmen können
Thomas ist kein Sonderfall. Viele Führungskräfte und Vortragende erleben ähnliche Muster: flacher Atem, beschleunigtes Tempo, Verlust der Stimmkraft nach einigen Minuten. Die Ursachen liegen meist im Zusammenspiel von Körperhaltung, Atmung und innerer Anspannung.
Im Einzelcoaching beginnen wir nicht mit Technik, sondern mit Ihrer konkreten Situation. Wir hören zu, wie Sie sprechen, schauen auf Ihren Stand und entscheiden dann gemeinsam, woran gearbeitet wird. Die Zahl der Sitzungen richtet sich nach Ihrem Anlass und Ihrem Zeitrahmen.
Wenn Sie einen Vortrag vor sich haben, der Ihnen wichtig ist, können Sie über die Anfrageseite ein erstes Gespräch vereinbaren. Wir besprechen dann, was möglich ist und ob die Arbeit für Sie sinnvoll wäre.
Thomas hat in drei Sitzungen keine neue Stimme bekommen, sondern gelernt, die vorhandene zu tragen: mit ruhigem Atem, bewussten Pausen und festem Stand. Das ist der Kern des privaten Einzelcoachings. Es nimmt Ihren konkreten Vortrag ernst und arbeitet an dem, was Sie tatsächlich vor Publikum erleben. Wenn Sie sich darin wiedererkennen, melden Sie sich gern, wir besprechen alles Weitere in Ruhe und ohne Verpflichtung.
Katharina Lindemann
Leitung und StimmcoachKatharina Lindemann begleitet Redner seit vielen Jahren in Stimmbildung und Atemarbeit. Sie leitet das Studio und die Intensivtage.