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Fünf typische Fehler beim Atmen für die Stimme und wie Sie sie vermeiden

Wer vor Publikum spricht, macht beim Atmen oft dieselben Fehler. Mareike Voss zeigt, woran Sie sie erkennen und mit welchen ruhigen Übungen Sie Ihre Stimmkraft sauber aufbauen.

Mareike Voss · · 5 Min. Lesezeit

Fünf typische Fehler beim Atmen für die Stimme und wie Sie sie vermeiden

Warum die Atmung so selten das Problem ist, das man vermutet

Wenn Redner mit ihrer Stimme unzufrieden sind, suchen sie die Ursache fast immer im Hals: Sie räuspern sich, sprechen lauter oder pressen. In der Arbeit an der diaphragmalen Stimmkraft zeigt sich dagegen sehr oft, dass der Kehlkopf nur ausbadet, was darunter versäumt wurde. Der Atem liefert die Energie, der Körper den Raum, und erst danach kommt die Stimme.

Aus unserem Unterricht kenne ich die immer gleichen Muster. Sie sind keine Zeichen von Unbegabung, sondern angelernte Gewohnheiten aus Besprechungsräumen, Videokonferenzen und Vorträgen unter Zeitdruck. Gewohnheiten lassen sich verändern, wenn man sie zuerst genau beobachtet. Dieser Beitrag beschreibt fünf Fehler, die uns im Studio am häufigsten begegnen, und jeweils einen ruhigen Weg, sie zu korrigieren.

Fehler eins: Der Atem sitzt in den Schultern

Viele Vortragende holen vor dem ersten Satz hörbar Luft und heben dabei Schultern und Brustbein an. Das fühlt sich nach viel an, bringt aber wenig nutzbaren Atemraum und spannt genau die Muskeln an, die später den Nacken und den Kehlkopf entlasten sollten. Die Stimme wird dünn, der Satz endet atemlos.

Besser ist es, die Flanken und den unteren Rücken weit werden zu lassen, während die Schultern ruhig bleiben. Legen Sie die Hände seitlich an die unteren Rippen und atmen Sie langsam durch die Nase ein, sodass sich die Hände nach außen bewegen. Üben Sie das zunächst im Liegen, dann im Sitzen, schließlich im Stehen. Erst wenn der Atem dort ankommt, wo er hingehört, lohnt es sich, ihn mit Sprache zu verbinden.

  • Schultern beim Einatmen bewusst unten lassen
  • Hände an den unteren Rippen als Kontrolle nutzen

Fehler zwei: Der Satz wird bis zur letzten Luft gesprochen

Ein zweiter Klassiker ist das Sprechen auf Reserve. Der Satz beginnt kräftig und verliert gegen Ende an Klang, die Stimme kippt in ein Flüstern oder wird gepresst, um doch noch fertig zu werden. Das Publikum hört Anstrengung statt Autorität.

Die Lösung liegt nicht in mehr Luft, sondern in besserer Einteilung. Planen Sie Atempausen dort ein, wo der Sinn ohnehin eine Pause verlangt, an Kommas, Satzenden und Gedankenwechseln. Eine Pause von einer Sekunde wirkt auf den Zuhörer überlegt, für Sie ist sie der Moment, in dem die Flanken wieder weit werden. Markieren Sie in Ihrem Manuskript die Stellen und sprechen Sie den Text laut, bis das Atmen zum Teil der Phrasierung geworden ist.

Fehler drei: Lautstärke wird mit Tragfähigkeit verwechselt

Wer einen großen Saal füllen möchte, spricht meist lauter. Doch Lautstärke durch Druck ermüdet die Stimme schnell und klingt für das Publikum schärfer, nicht größer. Tragfähigkeit entsteht vor allem durch Resonanz: Der Klang findet im Brust-, Rachen- und Gesichtsraum Platz und muss nicht erzwungen werden.

Eine einfache Übung: Summen Sie auf einem bequemen Ton mit geschlossenen Lippen und spüren Sie, wo es leicht vibriert, an den Lippen, an der Nase, am Brustbein. Öffnen Sie dann den Mund zu einem weichen Vokal, ohne den Klang zu verändern. Sprechen Sie anschließend einen Satz mit demselben Gefühl von Weite. Sie werden merken, dass die Stimme mit weniger Kraft weiter reicht und sich dabei ruhiger anfühlt.

  • Erst summen, dann Vokal, dann Satz
  • Den Klang spüren, nicht den Druck

Fehler vier: Der Körper steht der Stimme im Weg

Atem und Stimme brauchen einen Körper, der Raum lässt. Häufig sehen wir verriegelte Knie, ein nach vorn geschobenes Kinn oder ein Becken, das sich hinter dem Rednerpult versteckt. Jede dieser Haltungen verengt den Atemraum und macht die Stimme enger, als sie sein müsste.

Prüfen Sie vor dem Auftritt Ihren Stand: Die Füße etwa hüftbreit, die Knie weich, das Gewicht gleichmäßig verteilt, der Scheitel leicht nach oben orientiert. Diese Ausrichtung ist Gegenstand eines eigenen Moduls in unserem Curriculum, doch schon eine halbe Minute bewusster Haltung vor dem ersten Satz verändert den Klang hörbar. Wichtig ist, dass sich die Aufrichtung leicht anfühlt und nicht nach Strammstehen aussieht.

Fehler fünf: Geübt wird nur vor dem großen Auftritt

Der letzte Fehler betrifft den Umgang mit dem Üben selbst. Viele beschäftigen sich mit Atem und Stimme erst am Abend vor einer Keynote, mit dem Ergebnis, dass neue Gewohnheiten unter Anspannung sofort wieder verschwinden. Stimmkraft ist eine körperliche Fertigkeit und verlangt regelmäßige, kurze Wiederholung.

Fünf Minuten täglich genügen: eine Minute Atemraum spüren, zwei Minuten summen und Vokale tragen lassen, zwei Minuten laut lesen mit geplanten Pausen. Üben Sie zu einer festen Zeit, etwa nach dem Aufstehen oder auf dem Weg ins Büro. Im Herbst, wenn viele Konferenzen und Jahresveranstaltungen anstehen, lohnt es sich, damit jetzt zu beginnen, statt auf die Woche vor dem Termin zu warten.

  • Täglich fünf Minuten statt einmal eine Stunde
  • Feste Zeit wählen, damit es Gewohnheit wird

Die meisten Probleme mit der Stimme beginnen nicht im Hals, sondern im Atem, in der Haltung und im Umgang mit Pausen. Wenn Sie zuerst beobachten, dann in kleinen Schritten korrigieren und regelmäßig üben, gewinnt Ihre Stimme an Ruhe und Reichweite, ohne dass Sie mehr Druck aufwenden müssen. Wer das im Einzelunterricht begleiten lassen möchte, findet im Curriculum das passende Modul.

Geschrieben von

Mareike Voss

Dozentin für Bühnenpräsenz

Mareike Voss kommt vom Theater und vermittelt Pausen, Blickführung und Auftrittsgestaltung für Vortragende.